Heilsbringer Internet?
Nach der von der EU geförderten Studie eHealth Trends 2005-2007 nutzt bereits jeder dritte Deutsche bei Gesundheitsfragen das Internet. Mit steigender Tendenz. Selbst in der Gruppe der über 60-Jährigen erkundigen sich nach einer neueren Studie inzwischen rund 56 Prozent regelmäßig im Netz über Krankheiten und Medikamente. Gleichzeitig sprengt eine Fülle gesundheitsbezogener Informationen das Netz. Weltweit gibt es nach Expertenschätzungen inzwischen rund eine Million Gesundheits-Webseiten - täglich werden es mehr. Vor kurzem wurde nun das "Krankheitsbarometer 2009", eine Studie der Barmenia Krankenversicherung und des Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF) vorgestellt, derzufolge 7 von 10 Deutschen nur im absoluen Notfall den Arzt aufsuchen. Stattdessen suchten Männer als auch Frauen zunächst online Rat. Die Suche nach Hausmitteln steht der Studie zufolge dabei an oberster Stelle.
Die Studien ähneln sich: In beiden geht es um die vermehrte Nutzung des Internets durch Patienten - doch tatsächlich zeigen sie zwei verschiedene Seiten derselben Medaille: Geht es in der ersten Studie "eHealth-Trends 2005-2007" vor allem um den "mündigen Patienten" der sich mit Hilfe des Internets auf den Arztbesuch vorbereitet, zeigt die zweite Studie "Krankheitsbarometer 2009" mit dem Resultat "Internet statt Arztbesuch" eher einen alarmierenden Trend auf. Denn so positiv die Vielstimmigkeit des WorldWideWebs ist, so undurchdringlich ist die Fülle ungefilterter medizinischer Informationen (Siehe auch Blogbeitrag: Laien googeln medizinische Fallberichte oder Wikipedia ist keine zuverlässige Quelle für medizinische Informationen). Ein Beispiel: Neben der Suche bei Wikipedia werden gesundheitsbezogene Themen zunächst meist gegoogelt. Zum Begriff "Diabetes" erhält man innerhalb von Sekunden ganze 73.300.000 Einträge, bei "Kopfschmerzen" rund 2.2000.000, "Bluthochdruck" liefert immerhin noch 1,040,000 Einträge.... . Dass die Platzierung der Links bei Google nicht nach Qualität des Inhaltes geordnet ist, muss sicherlich nicht erwähnt werden.
Damit soll nun nicht gesagt sein, dass Patienten sich nicht belesen und auf den Arztbesuch vorbereiten sollen. Im Gegenteil. Ärzte sollten sich darauf einstellen, dass Patienten zukünftig immer besser informiert in die Sprechstunde kommen und entsprechend stärker in Diagnose und Behandlung einbezogen werden wollen. Angesichts des Trends "Internet statt Arztbesuch" sollte jedoch klargestellt werden, dass gerade bei (ungefilterten) medizinischen Informationen Sorgfalt geboten sein muss. Bei der großen Vielstimmigkeit medizinischer Informationen sind Orientierung und Vertrauenswürdigkeit wichtiger denn je. Gerade vor dem Hintergrund, dass per Mausklick abrufbare Informationen vielfach und immer häufiger das Handeln von Gesunden wie Kranken bestimmen, muss sichergestellt sein, dass die Relevanz dieser Informationen für die jeweilige Person gefiltert wird. Dies kann nur durch eine individuelle Beratung durch Experten, in diesem Fall durch Ärzte, sichergestellt werden.
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www.sueddeutsche.de: Internet statt Arztbesuch
www.barmenia.de: Selbsthilfe geht vor: Frauen scheuen den Gang zum Arzt
www.jmir.org: Journal of Medical Internet Research: eHealth Trends in Europe 2005-2007: A Population-Based Survey